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Zwischen zu wenig und zu viel Essstörungen bei jungen Menschen nehmen zu
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(aid) - "Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess-Brech-Sucht) sind
mittlerweile die häufigsten psychosomatischen Krankheiten von Mädchen und
jungen Frauen im Alter zwischen 12 und 35 Jahren". Mit dieser Nachricht
verdeutlichte Dr. Dietrich Munz von der Sonnenberg Klinik Stuttgart den Zuhörern
der Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung am 7. Oktober in
Stuttgart die Bedeutung der Essstörungen in Deutschland.
Insgesamt seien fünf Prozent dieser weiblichen Altersgruppe an Anorexie und
Bulimie erkrankt. Jungen und Männer träfe man noch relativ selten unter den
Patienten, aber der Anteil steige sichtbar an. Der Stuttgarter Wissenschaftler
beschreibt die Situation der Betroffenen sehr plakativ:
"Es ist verrückt, Menschen hungern in einer Gesellschaft, die ausgehungert
ist. Andere fressen alles bis zur Erschöpfung in sich hinein".
Magersüchtige hungern mit der überwertigen Idee, zu dick zu sein. Ess-Brech-Süchtige
dagegen, haben die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren; sie essen Unmengen
an Nahrung, um sich wenig später wieder zu übergeben. Die Verläufe sind nach
Auffassung der Experten oft ähnlich: Die meisten jungen Patienten seien
schulisch oft gut, aber sozial eher schwach. Meist brächen die Essstörungen in
der Pubertät aus. Konflikte in den Familien, fehlender Austausch unter den
Familienmitgliedern förderten deren Entwicklung.
Warum gerade der Anteil an essgestörten Mädchen und Frauen in den letzten
Jahren so gestiegen sei, erklärten die Referenten mit der überhöhten
Erwartungshaltung, den die Gesellschaft an Frauen habe. Mädchen mache es Angst,
wenn sie sähen, welchen Erwartungen sie in Familie, Beruf und Haushalt gegenüber
stünden. Sie flüchteten sich in Diäten, um den idealen Körpermaßen näher
zu kommen. Die Patienten werden immer jünger: In Westeuropa hat bereits jedes
zweite Mädchen zwischen elf und 13 Jahren Diäterfahrung. Nehmen Betroffene in
kurzer Zeit viel ab, etwa 10 bis 15 Kilo in sechs bis acht Wochen, dann ist
fachkundliche Unterstützung notwendig. Ein hoher Flüssigkeitsverlust könne
zum Austrocknen führen und den Elektrolythaushalt stören. Nieren-, Zahn- und
Skelettschäden seien die Spätfolge. Für viele Patienten ist eine psychische
Behandlung notwendig. Die Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin Dr. Ingrid
Rothe-Kirchberger aus Stuttgart bedauerte, dass sich noch wenig
Psychotherapeuten auf Essstörungen spezialisierten. Wichtig sei eine
interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Psychologen, und Ernährungsberatern.
Eltern und Lehrer sollten auch einbezogen werden.
aid, Maria Hufnagl
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